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Deutsch ist der Anfang von allem

Montag, 30. Mai 2016

Die Westfälische Hochschule erschließt ihre deutschsprachigen Studiengänge für Studierende aus dem Ausland. Die Erfahrungen, die jetzt gemacht werden, könnten auch studierfähigen Flüchtlingen den Weg in die Integration in Deutschland ebnen.

WH-16-98-SPZ

Schon am Namen erkennt man das fremde Mutterland: (v.l.n.r.) Divyanshu Sharma, Jishnukanth Subburaj, Naveen Kumar Cherukuri, Roshan Gajanand Walkare und Sarankumar Selvakumar aus Indien haben vier verschiedene Muttersprachen, sprachen deshalb bisher miteinander Englisch, jetzt Deutsch. In Gelsenkirchen bereiten sie sich mit Sprachlehrerin Julia Brassat (2.v.r.) auf ihre Prüfung für Deutsch als Studiensprache vor. Hinten: Prof. Dr. Dirk Fröhling, Leiter des deutsch-indischen Zentrums für akademische Ausbildung, rechts: Dr. Petra Iking, Leiterin des Sprachenzentrums der Westfälischen Hochschule. Foto: WH/BL

Gelsenkirchen/Bocholt/Recklinghausen. Um sich in einen deutschsprachigen Studiengang einschreiben zu können, müssen Bewerberinnen und Bewerber eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Unter anderem müssen sie die sogenannte Hochschulzugangsberechtigung vorlegen können. Das ist der für ein Hochschulstudium qualifizierende Schul- oder Berufsabschluss. Für alle Studienbewerber, die ihre Hochschulzugangsberechtigung aus dem Ausland mit nach Deutschland bringen, ist in der Regel der Nachweis der Studierfähigkeit in der deutschen Sprache die größte Hürde. An der Westfälischen Hochschule hat er einen Namen: „TestDaF 16“. Das steht für die Prüfung in „Deutsch als Fremdsprache“ und der Prüfling muss in den vier Fertigkeiten Sprechen, Hörverstehen, Leseverstehen und Schreiben auf vier mal vier gleich in der Summe 16 Punkte kommen, um sich in ein Fachstudium einschreiben zu können. Auch wenn viele Studienbewerber schon gute Deutschkenntnisse aus ihren Heimatländern mitbringen, liegt diese Messlatte ziemlich hoch, weiß Dr. Petra Iking, Leiterin des Sprachenzentrums an der Westfälischen Hochschule, „und doch ist es in der Regel nötig, diese Messlatte zu überspringen, um dem Studium in deutscher Sprache erfolgreich folgen zu können.“

Um bereits fortgeschritten Deutsch sprechenden Bewerbern aus dem Ausland über diese Hürde zu helfen, bietet die Westfälische Hochschule ein dem Fachstudium vorauseilendes Sprachkurssemester an. Gerade ist eine Gruppe indischer Studenten in diesem Programm, die über eine deutsch-indische Hochschulkooperation zum Ingenieur-Studium nach Gelsenkirchen gekommen ist. Die Studenten bekommen im laufenden Sommersemester 300 Unterrichtsstunden Deutsch und ergänzen den Sprachkurs noch einen Nachmittag pro Woche durch ein angeleitetes Selbststudium in den Sprachlaboren der Westfälischen Hochschule. Iking: „Das ist sehr intensiv, erschließt den Studierenden aber viel Aussicht auf Erfolg bei der anschließenden Deutschprüfung als Voraussetzung für den Einstieg ins Fachstudium.“

Die Kurse finden an der Hochschule statt und auch die Prüfung wird an der Westfälischen Hochschule im Recklinghäuser Sprachenzentrum als zertifiziertes „TestDaF-Zentrum“ abgelegt. Das Prüfungsergebnis aber kommt vom zentralen „TestDaF-Institut“ Deutschlands in Bochum. Das liegt zwar nah, doch einen Fühlungsvorteil haben die Studierenden aus Recklinghausen, Gelsenkirchen und Bocholt nicht, denn das Testdaf-Institut steht unabhängig und neutral für die Qualität und damit für internationale Objektivität und weltweiten Standard. Die Prüfungen werden zu festgelegten Stichdaten außer in Deutschland in knapp 100 Ländern von A wie Ägypten bis Z wie Zypern abgenommen.

Eine zweite, wenn auch noch kleine Gruppe, die dieses studienvorbereitende Deutschprogramm nutzt, sind die Vietnamesen, die im Rahmen des International-Talents-Programms an die Abteilung Bocholt der Westfälischen Hochschule gekommen sind. Ihr Deutsch-Unterricht wurde für die Pioniergruppe von Kräften des Sprachenzentrums unter Mithilfe des akademischen Auslandsamts der Westfälischen Hochschule direkt gestemmt. In Gelsenkirchen dagegen sprang das „wipdaf-Institut“ der Universität Münster mit einem Team von Lehrkräften ein. Wipdaf steht für „Wissenschaftliche internationale Partnerschaften Deutsch als Fremdsprache“.

Plan der Sprachenzentrumsleiterin ist es, dieses Angebot für Deutsch als Studiensprache an der Westfälischen Hochschule systematisch zu verstetigen und nach Bedarf zu erweitern. Dafür hat sie bereits fertige Konzepte. Petra Iking: „Dann könnten in Zukunft vielleicht auch studierfähige Flüchtlinge davon profitieren und so beruflich und gesellschaftlich integriert werden.“

Ihre Ansprechpartnerin für weitere Informationen:
Dr. Petra Iking, Leiterin des Sprachenzentrums an der Westfälischen Hochschule

Autorin dieser Meldung: Barbara Laaser